Der Traum von einer Welt ohne Ernährungsprobleme

guatemalan_kids_small… ist wahrscheinlich älter als der Traum zu den Sternen zu fliegen.

Beides wäre mit den verfügbaren oder in Entwicklung befindlichen Techniken wohl möglich, ist aber aus politischen, finanziellen und praktischen Gründen noch immer utopisch. Der Zugang zu ausreichender Nahrung wurde von der UN zu einem Menschenrecht erklärt. Probleme auf dem Weg dorthin ergeben sich am sichtbarsten auf sozialer, politischer und organisatorischer  Ebene, vor allem wenn Katastrophen eine ohnehin labile Versorgungssituation aus dem Gleichgewicht bringen. Das kann durch Naturereignisse, wie das Erdbeben auf Haiti oder die Dürre am Horn von Afrika, geschehen, oder durch die von Menschen verursachten Verwerfungen in Kriegs- oder  Bürgerkriegsgebieten. Solche Ereignisse beschäftigen die Medien intensiv und akute Spendenaufrufe finden meist ein breites Echo.

Die Stellung der Stiftung in diesem Problemfeld

guatemalan_families_smallDie Frage nach adäquaten Antworten auf das Welternährungsproblem hat vornehmlich ethische Dimensionen. Zur Abhilfe ist jedoch ein funktionales auf ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Instrumentarium erforderlich. Die Entwicklung und Anpassung solcher Instrumente an die wechselnden Bedingungen vor Ort beschäftigt die Öffentlichkeit kaum. Diese Arbeit ist weit weniger ostentativ als die Bilder von ausgemergelten Kindern und überlasteten Ersthelfern und Aufbauarbeitern in Krisengebieten, die jedoch ohne diese Instrumentarien nicht sinnvoll und nachhaltig arbeiten könnten. Die Hildegard-Grunow-Stiftung hat sich die Prüfung und Anpassung von effektiven neuen Konzepten und Instrumenten in der Drittwelternährung zum Ziel gemacht.

Ein aktuelles Beispiel: „Hidden hunger“

Die Spannweite solcher Tätigkeiten lässt sich am besten an einem Beispiel erläutern. Der Mangel an Mikronährstoffen, wie Jod, Vitamin A oder Eisen, wird als „hidden hunger“ bezeichnet. So ist der Eisenmangel in Entwicklungsländern durch die fast ausschließlich vegetarischen Grundnahrungsmittel und durch den gesteigerten Eisenbedarf im Wachstum besonders bei Kindern weit verbreitet. Er schränkt die geistige und körperliche Entwicklung ein und führt bei Schwangerschaft zu gehäuften Fehlgeburten.

Nationale Supplementierungsprogramme für die betroffenen Zielgruppen versuchen Abhilfe zu schaffen. Eisenmangel ist vor allem in den Tropen verbreitet und überlappt häufig mit Malaria-endemischen Regionen. Nun braucht auch das Malariaplasmodium Eisen für seine Expansion im Körper des Wirtes. Man muss also die Frage stellen, ob solche staatlich verordnete Zufuhr von Extraeisen dem Gedeih der Kinder oder eher der Expansion der Malariaerreger nützt. Eine Studie auf der Insel Pemba vor der Küste von Tansania zeigte 2006 signifikant häufiger schwere, z.T. tödliche Verlaufsformen von Malaria bei eisensupplementierten Kindern.

Die Studie wurde daraufhin abgebrochen und brachte das Konzept staatlich geförderter Eisenprogramme weltweit in das Dilemma, entweder die Folgen des Eisenmangels zu akzeptieren, oder schwerere klinische Malariaverläufe mit häufigerer Todesfolge in Kauf zu nehmen. Eine genaue Analyse zeigte aber, dass sich diese Schädigung nur auf Kinder bezog, die Eisen ohne Bedarf erhalten hatten. Eisengaben an eisenarme Kinder beeinflussen den Krankheitsverlauf dagegen günstig. Die WHO empfahl daraufhin, Eisen nur bedarfsgerecht im Eisenmangel zu geben. Das erfordert die Entwicklung und Testung einer preiswerten Diagnostik von Anämien, die nicht-invasiv sein sollte, um das Risiko der Ausbreitung von AIDS und Hepatitis durch Blutentnahme zu vermeiden.

Die Stiftung kauft und prüft seit 3 Jahren Geräte im Feldeinsatz, die so etwas ggf. können – einige Ergebnisse sind vielversprechend, obwohl noch kein Durchbruch erzielt wurde. Alternativ könnten Eisenpräparate eingesetzt werden, die für den Malariaerreger weniger zugänglich sind, und es gilt, den entzündlichen Einfluss der Malaria auf die Anämieentwicklung von dem des Eisenmangels zu unterscheiden. Es stellt sich also allein in diesem Problemkreis eine Fülle drängender Fragen, an deren Bearbeitung die Stiftung beteiligt ist.